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Kameraautomatik und wie Du sie richtig nutzt.

Die Kameraautomatik ist heute kaum noch aus vielen Kameramodellen wegzudenken. In diesem Artikel geht es um die Nutzung der Kameraautomatik und wie Du diese einsetzen kannst. Wie immer gilt – Du kannst es so machen, musst es aber nicht.

Mit einer Profikamera macht man bessere Fotos?!

Wie oft habe ich diesen Satz schon bei meinen Shootings gehört? “Du machst tolle Fotos – die Kamera ist bestimmt sehr teuer!” Ganz genau, und ich koche viel besser, seitdem ich teuere Töpfe habe. Also, um einigen genau diesen Zahn zu ziehen – ja, wir Fotografen haben vielleicht das eine oder andere teuere Equipment, aber das heißt nicht automatisch, dass wir damit auch bessere Fotos machen können. Dazu bedarf es weitaus mehr. Profi- oder Semiprofessionelle Kameras haben neben des besseren Sensors (APS-C oder Vollformat) auch schnellere  Einstellungsmöglichkeiten. Was für manch einen perfekt ist, muss für den anderen nicht auch so sein. Als Fotograf sollte man mit jeder Kamera gute Fotos machen können, sofern man sich ein wenig mit der Kamera befasst hat. Essentiell sollte für Dich jedoch die Bedienung Deiner Kamera sein, egal, ob ein MFT-, APS-C- oder ein Vollformat-Sensor in ihr steckt.

Mach Dir keine Sorgen – ich erkläre Dir, wie Du die Programme einsetzen kannst. Für diese Einstellungen solltest Du eine Kamera haben, die Dir manuelle Einstellungen ermöglicht. Wenn Du dich bisher nicht mit Deiner Kamera befasst hast, das Drehrad immer bei P war, wird es jetzt Zeit, dass Du auch die Modi A/Av (Zeitautomatik), S/Tv (Blendenautomatik) und M (manueller Modus) kennen lernst und diese richtig einsetzt. Zudem solltest Du den Unterschied zwischen großer (offener) und kleiner (geschlossener) Blende kennen und wissen, was der ISO-Wert ist. Wenn nicht, empfehle ich Dir, diesen Artikel zu lesen, um zu verstehen, wie diese in Verbindung zueinander stehen.

Kommen wir zu den Programmen, die Deine Kamera bietet

P – Programmautomatik

Die Programmautomatik hat bei manchen Hertstellern Unterkategorien wie z.B. einen Szene-Modus, auf die ich hier nicht näher eingehen werde.

Dieser Modus ist für diejenigen, die ihre Kamera einschalten und einfach auf den Auslöser drücken. Ein “no-brainer” sozusagen. Dabei werden alle Parameter von der Kamera eingestellt – Verschlusszeit, Blende und ISO. Bei manchen sogar der Fokuspunkt und natürlich der Blitz, sofern ein Blitz eingebaut ist. Ich sah Leute, die Ihre Kamera einschalteten, um den schönen Nachthimmel mit dem Mond zu fotografieren. Freihändig! Mit Blitz! Das Einzige was als Endergebnis rauskommt ist ein schwarzes Foto mit einem weißen Punkt.

Das Problem ist, dass Du in diesem Modus kaum Einfluss auf die Parameter Deiner Kamera hast. Die Kamera hat keine Ahnung, was Du willst, sondern berechnet intern alle Werte die der Sensor erfassen kann. Der Prozessor berechnet alles in tausendstel Sekunden und gibt an – “Ich bin schlau und bestätige jetzt – das ist die beste Blende und die beste Verschlusszeit für dieses Motiv und jetzt drück auf den verdammten Auslöser”. Hinterher wunderst Du dich aber, warum das Foto nicht so geworden ist, wie Du es dir eigentlich vorgestellt hast. “Aber ich wollte doch, dass der Hintergrund unscharf ist und der Himmel nicht so hell”. Ja, ja, wollte hätte, könnte – Du hast der Kamera aber nichts “gesagt”.

Das ist genauso als würdest Du zu einer Konditorei gehen, “eine leckere Torte” bestellen und dich hinterher wundern, warum es keine Schokoladentorte geworden ist. Warum denn auch? Du hast ja nicht gesagt, dass Du eine Schokoladentorte willst und deshalb hat die Konditorei eine Torte aus den Zutaten gemacht, die sie gerade zur Hand hatte.

Im Programmautomatik-Modus entscheidet die Kamera, wie das Foto gemacht wird. Du bist eigentlich nur Mittel zum Zweck und darfst den Ausschnitt und den Winkel wählen.

Bitte versteh mich nicht falsch, der P-Modus oder auch die verschiedenen Szene Modi sind für diejenigen okay, die nur ein paar (Urlaubs-)Erinnerungen haben wollen und denen es völlig egal ist, wie das Endergebnis aussieht. Damit kann man auch schön “rumspielen” (Portrait Modus, mit dem alles weichgezeichnet ist oder einen Colour-Key, wo nur eine Farbe besonders hevor sticht. Ist ein bißchen oldschool, aber manchen gefällt´s ja). Mit Fotografie hat es nur wenig zu tun.

M – manueller Modus

“Ha, das weiß ich – jeder Profifotograf fotografiert immer im manuellen Modus, damit er die völlige Kontrolle hat!”

Joaa, könnte man jetzt so stehen lassen – muss man aber nicht und ist auch nicht ganz richtig. Ich gehe einfach davon aus, dass jeder Profifotograf in einem Studio (fast) immer den M-Modus benutzt, denn nur dann hat er die Möglichkeit, alle Parameter auf die jeweilige Umgebung anzupassen. Meistens gibt es im Studio einen oder mehrere Blitze mit Lichtformern, die so eingestellt sind, dass die jeweils benötigte Lichtmenge abgegeben wird. Da der Fotograf das weiß und diese evtl. mit einem Belichtungsmesser auch kontrolliert, kann er seine Kamera auf die exakten Werte einstellen, um das gewünschte Resultat zu erzielen.

Wie ist es aber, wenn man außerhalb eines Studios fotografiert (ohne Blitzgerät), die Lichtverhältnisse nicht kontrollieren und einstellen kann (Sonne, Bewölkung)? Wo es zudem auch noch zu verschiedenen Situationen kommt, auf die man schnell reagieren muss? Da kann man nicht einfach mal sagen “Moment, warten Sie mal bitte, ich muss nur schnell die Blende und die Zeit einstellen und…”. Das ist dann zu spät! Profi hin oder her, wenn es keine gestellte Situation ist, über die man die völlige Kontrolle hat, wo sich Lichtverhältnisse ändern können, dann bringt einem der manuelle Modus herzlich wenig.

Beispiel: Du hast eine tolle Kamera mit noch tolleren Objektiven (weil Du einfach das Kleingeld dafür hattest) und wurdest gebeten, die Hochzeit eines befreundeten Paares fotografisch zu begleiten. Irgendwo hattest Du gelesen: “ISO maximal auf 200, damit die Fotos nicht zu sehr rauschen, Zeit auf mindestens 1/125 Sek, damit die Fotos nicht zu unscharf sind und Blende zwischen f/5.6 und f/11, damit die Fotos scharf werden. Und los geht´s zur Hochzeit!”

Mit dieser Einstellung ist es fast schon vorprogrammiert, je nach Location, dass viele Fotos zu dunkel werden. In einem perfekt ausgeleuchteten Saal oder am schönen Strand könnte diese Einstellung noch passen, aber sobald es dunkler wird, und das wird es meistens bei Hochzeiten, wirst Du dein blaues Wunder erleben.

Anders verhält es sich natürlich, wenn Du Langzeitbelichtungen machen willst. Da gibst Du auch ISO, Blende und Verschlusszeit ein und drückst ab. Ja, auch hierbei hast du nicht immer Einfluss auf die Lichtverhältnisse, aber in der Regel ändern sich diese nicht sofort. Somit kannst Du in Ruhe immer die richtige Einstellung wählen.

Der M-Modus ist also für diejenigen gedacht, die das Foto “stellen” und auf die meisten Parameter Einfluss nehmen können.

Hier einige Beispiele, die ich im Studio gemacht und die Blende sowie Verschlusszeit je nach gewünschtem Effekt ausgewählt habe. Bei allen Fotos wurde ein Blitz eingesetzt.

Und hier Langzeitbelichtungen außerhalb des Studios, natürlich immer mit einem Stativ

 

A/Av (Zeitautomatik oder Blendenpriorität)

Zugegeben, das ist meine Lieblingsmodus, wenn ich unterwegs bin. Was aber macht der A/Av-Modus? Ganz einfach – Du gibst die Blende vor, die Du haben möchtest – sei es eine offene Blende (f/1.2/1.8 – f/4) für geringe Tiefenschärfe oder eine geschlossene Blende (f/16 – f/22) für durchgehende Schärfe, je nach Umgebung und Motiv (Für alle Fotografieüberprofis: Ich übergehe jetzt das Thema “Beugungsunschärfe”, denn das ist ein Thema für sich). Auch hier entscheidest Du, ob Du eine niedrige ISO (100 – 400) oder eine ISO-Automatik einstellst. Somit hat die Kamera die von Dir eingestellten Werte und muss nur die Verschlusszeit automatisch einstellen. Durch die vorgegebenen Werte Blende und ISO berechnet die Kamera die beste Verschlusszeit für die Situation, ohne dass Du dir den Kopf darüber zerbrechen musst. Jedesmal wenn Du die Blende änderst, ändert sich meistens automatisch auch die Verschlusszeit.

Im A/Av-Modus stellt also die Kamera die Verschlusszeit automatisch ein, die am besten zu den vorhandenen Lichtverhältnissen und zur Blende passt.

Für wen ist dieser Modus gedacht? Für all diejenigen, die von vornherein wissen, welche Blende für welches Motiv am Besten geeignet ist und schnell umschalten können. Wenn ich Einzelpersonen portraitiere, nehme ich meistens eine offene Blende bis maximal f/4, um den Hintegrund unscharf zu halten und die Person “freizustellen”. Wenn ich jedoch Landschaften oder mehrere Personen in einer Gruppe fotografiere, wo es darauf ankommt, dass alle Personen oder die Landschaft möglichst scharf zu sehen sind, dann schließe ich die Blende und habe die Gewissheit, eines relativ scharfen Fotos.

S/Tv (Blendenautomatik oder Zeitpriorität)

Wenn Du bis hierher gelsen hast, weißt Du sicher bereits, wofür dieser Modus gemacht ist. In diesem Modus stellst Du die gewünschte Zeit in deiner Kamera ein, die Du immer haben möchtest – als Beispiel 1/125 sec. Mit der ISO verhält es sich wie oben, d.h. niedrige ISO oder ISO-Automatik. Jetzt weiß die Kamera, dass sie nicht länger 1/125 sec. belichten darf. Die Kamera stellt somit automatisch die Blende ein und das war´s.

Dieser Modus ist unter anderem dafür gedacht, verwacklungsfreie Fotos von sich bewegenden Personen oder Objekten zu machen oder um Bewegung “einzufrieren”. Beispiel: Du möchtest Kinder beim Spielen auf einem Spielplatz fotografieren. Da Kinder auf dem Spielplatz nicht immer still sitzen, sondern rumtoben, wirst Du mit einer langen Verschlusszeit ziemich oft unscharfe Fotos produzieren. Mit der Vorgabe der Verschlusszeit minimierst Du unter anderem dieses Problem. Die Kamera stellt je nach Verschlusszeit, ISO und Lichtverhältnissen die Blende ein und du erhältst meistens ein scharfes Foto oder fängst eine Situation genau im richtigen Augenblick ein, z.B. einen Formel 1 Wagen.

Im S/Tv-Modus gibst Du der Kamera die längste Verschlusszeit vor, nach der die Blende automatisch ausgewählt wird.

Für wen oder welche Situation ist der S/Tv-Modus nützlich? Für die, die wissen, dass sie sich schnell bewegende Personen oder Objekte fotografieren müssen und für die Tiefenschärfe eher eine untergeordnete Rolle spielt. Hauptsache das Motiv ist scharf abgebildet. Wer jetzt aber der Meinung ist, dass mit A oder S alles einfach ist und die Fotos immer perfekt werden, der irrt – denn auch hierbei zählt die Erfahrung und das nötige Fingespitzengefühl.

A/Av und S/Tv haben also auch ihre Tücken.

Kameraautomatik- Fluch oder Segen? 

Zuerst einmal musst Du ein wenig mehr über die Funktionsweise deiner Kamera lernen, um den jeweiligen Modus einzustellen.

Wie bereits erwähnt, fotografiere ich gerne im A-Modus. Das kann jedoch den Nachteil haben, dass in einigen Situationen die Verschlusszeit dermaßen lang ist, dass ich ein unscharfes Foto mache. Oder aber, die ISO-Automatik eingreift, die ich manchmal auf bis zu 6400 stelle und das Rauschen in Lightroom nur schwer ohne Qualitätsverlust korrigieren kann.

Hier einige Beispiele

Im S-Modus stellst Du ja die Zeit ein, die gewünscht ist. Die Kamera weiß jetzt, welche Blende einzustellen ist, was leider damit einhergeht, dass die Fotos manchmal durchgehend zu scharf sind, obwohl Du vielleicht nur eine Person oder ein Objekt scharf stellen wolltest. Oder aber nur der Vordergrund (Fokuspunkt) scharf gestellt ist, weil die Kamera dann nämlich die Blende größtmöglich geöffnet hat. Um den ganzen jedoch noch die Krone auszusetzen und Dich richtig zu verwirren, gibt es noch weitere Faktoren, die in das Geschehen eingreifen und die Kamerautomatik und auch Deine Fotos ein wenig aus der Bahn werfen können – der Aufsteckblitz, die Belichtungskorrektur und natürlich die interne Belichtungsmessung. Das ist aber ein Thema für einen neuen Artikel.

Eine Info noch zum Schluss – Bei der Kameraautomatik verhält sich jede Kamera anders. Alle Hersteller haben unterschiedliche Einstellungen in ihren Kameras. Es kann also sein, dass zwei identisch eingestellte Kameras, von zwei verschiedenen Herstellern auch unterschiedliche Ergebnisse liefern, was Verschlusszeit, Blende und ISO betrifft. Die Sensorgröße und die Objektivqualität spielen jedoch die größte Rolle. Das Foto oben, mit dem hockenden Mann in Bangkok, wäre mit einem Vollformatsensor mit Sicherheit weitaus besser als mit dem klitzekleinen MFT Sensor, auch bei gleicher ISO.

Konnte ich Dir helfen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen? Mich würde interessieren, welche Kameraautomatik Du bisher genutzt hast und und ob Dir diese, zugegeben sehr grobe Exkursion, ein wenig helfen konnte.

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

Herzliche Grüße

Euer Baris

 

 

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